Im Campingbus im süden überwintern

Tims Abenteuer in Portugal Teil 2

Ein junger Mann lebt seinen Traum vom überwintern im Campingbus im Süden/Portugal. Über seine Abenteuer berichtet Tim auf unserem Blog und auf seiner eigenen Seite.

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Überwintern im Campingbus in Portugal

Überwintern im Campingbus in Portugal

Als  ich die Idee hatte, in meinem Auto in südlichen Gefilden zu überwintern, habe ich mir das genau so vorgestellt:
Verregnete Tage, an denen ich mich in mein Reich auf vier Rädern zurückziehe, heißen Tee oder wahlweise Kaffee trinke, etwas lese, etwas schreibe, etwas koche und ganz viel Zeit für mich habe.
Gemütlich.
Ilha do Faro.

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Außerhalb meines wackelnden Gefährtes, das ich beinahe ebenso einen Gefährten nennen könnte, tobt ein Sturm. Ein Sturm, der die Wellen durcheinander wirbelt, und der mir jede Möglichkeit nimmt,  eine surfbare Welle zu finden. Ich habe mich gegen die mit Sand angereicherten Windböen hinter die erste Häuserreihe der Strandpromenade verzogen, denn der salzige, reibende Sand in der Luft hat einen schleifenden Charakter angenommen, der mir ohne Schutz Schicht den Lack vom Auto nehmen würde.

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Nach drei Tagen Sturm fällt mir allmählich die Decke auf den Kopf. Für ein Minimum an Bewegung begebe ich mich in Regenpausen für kurze Promenadenspaziergänge in “winterlich-graues” Wetter.
Jetzt wird es nach all der “Rumsitzerei” mal wieder Zeit für einen Surf!
Die Vorhersagen sehen gut aus.
Nach jedem Sturm die Sonne. Jedem Schatten sein Licht.
Ich warte. Und warte…
Dann ändert sich plötzlich die allmorgendlich aktualisierte Wettervorhersage.

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Für Dienstag war die Windstille/ ablandiger Wind angesagt! Es ist Mittwoch, 14:38h. Die tiefstehende Nachmittagssonne versengt mir die Beine. Mir geht es hier so gar nicht “Winter” … Im Januar. Falls jemand fragt : Ich liege, alle viere von mich gestreckt, bei geöffneter Schiebetür,  im Innern meiner wandernden Heimat!
Absolut bewegungsunfähig! Die 3-stündige Session heute Morgen hat mir alles abverlangt! Lediglich in der Strandbar an der Ecke habe ich mir noch einen portugiesischen Kaffee erlaubt. Einen GALÃO und dann erstmal Pause.
Die Wellen waren klein aber clean! Gestern hatten sie eine gute Größe. Etwa kopfhoch und sehr steil! Heute eher Schonwaschgang mit Weichspüler. Trotzdem tut mir alles weh, denn man will ja keine verpassen. Die Tide verbietet mir eine weitere Runde. Das “Becken” ist voll und die Wellen brechen jetzt nur noch direkt auf den Sand.

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Noch großartig herum zu “Gurken” um nach besseren, möglicherweise an anderen Stränden laufenden Wasserbergen zu suchen, macht für mich keinen Sinn, denn morgen ist wieder ein Tag der früh beginnt und früh endet, und ich habe die Taschen meiner Badeshorts so voll mit Zeit, dass ich acht geben muss, dass ich sie nicht verliere… Die Hosen. Wenn ich mich denn dann mal bewege. Außerhalb des Wassers. An Langeweile ist nicht zu denken, denn mein Körper benötigt Ruhe…die bekommt er jetzt!

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Ich fräse mich förmlich durch die Bücherregale meines digitalen Readers, der unverhofft neben den vielen Bekanntschaften hier unten zu einem meiner besten Freunde geworden ist. Vielleicht werde ich ja noch belesen und weise, ein Intellektueller auf Reisen. Romantische Vorstellung. Aber Blödsinn. Ich bin eigentlich nur zu faul für alles andere. Ein Königreich für einen wie mich: ohne direkte Verbindung ins “normale” Leben. Den deutschen Alltag. Telefonate mit meinen Liebsten  sind die einzige Informationsquelle bezüglich nahezu aller Großereignisse  der westlichen Welt. Keinen Fernseher, keine dauerhaft bestehende Internetverbindung. Nur ich , einige weitere Wellenbegeisterte und die weite Welt. Das entspannt und lässt Raum zum  Nachdenken.
Ich beschäftige mich mehr mit mir als mit allem anderen und mehr als je zuvor. Doch weise, denn ich schmiede Tag für Tag wieder an meinem Glück.

Von der ganzen Glücksschmiederei müde, liege ich nun wieder einmal in meinem Rollhaus. Der März ist gekommen und einer der wenigen stressigeren Tage liegt hinter mir.

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Gestern, 8.märz 2016, Portimao, Vorstellungsgespräch.
Nach zweiwöchigem Heimatbesuch am Gefrierpunkt, verlief meine Route nach Ankunft mit dem Flugzeug ungewöhnlicherweise durch den Hafen Portimaos.
Dort traf ich, wie zuvor telefonisch besprochen, auf einen Captain und seine Schiffscrew bestehend aus 5 jugentlichen Jungen, die aus verschiedensten Gründen an einer Art “Time Out”-Projekt auf diesem Schiff teilhaben und einigen Mitarbeitern verschiedener Herkunft (Portugal, Griechenland, Deutschland ).
Das Schiff liegt auf Trockendock. Es sind einige Reparaturen zu erledigen.
Was ich hier will?
Nach 6 Monaten Sparsamkeit gehen mir nun meine ohnehin viel zu knapp bemessenen finanziellen Reserven aus.
Jetzt will ich aus einem No-Budget- einen Low-Budget-Trip machen.
Ich heuere an, um Teil des Projektes zu werden.
Übersetzt heißt das für mich neben der Möglichkeit meinen Horizont auf dem Seeweg zu erweitern auch finanzielle Unabhängigkeit.
Ein Job, der es mir im Grunde genommen erlaubt, in jedem Teil der Welt meine Zelte aufzuschlagen, denn ich werde ebenso viel Zeit auf dem Schiff, wie in Freizeit verbringen. Den Rhythmus bestimmt ein flexibler Dienstplan. Verbringe ich beispielsweise zwei Wochen auf dem Schiff, verbringe ich anschließend zwei Wochen wo ich will.
Ein Traum oder ein traumhafter roter Faden in meinem Leben: Das Glück, wenn ich es benötige.

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Die Batterien meines Autos? Randvoll. Danke Reimo.

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Meine eigenen sind leer. Die erste Session nach zweiwöchiger Abstinenz, wegen des Heimatbesuches, hat mir mal wieder gezeigt wie schnell die antrainierten Kraftreserven sich in null Komma nichts in Luft auflösen. In den nächsten Wochen werde ich mir keine weiteren Pausen gönnen. Nicht für einen Wettbewerb in dem ich im entscheidenden Moment durch ein Tor der Held der Kreisklasse werden kann, sondern für einen einzigen perfekten Moment auf der Welle. Und dafür, dass sich dieser immer wiederholt. Die wohl gesündeste Sucht der Welt! Endorphinabhängigkeit.
Es gibt wohl eine Studie die besagt, dass ein Surfer während des Ritts auf der Welle die gleichen Hirnströmungen inne hat wie ein buddhistischer Mönch während einer Meditation.
Wie auch immer die das gemessen haben wollen, Sinn macht es.
So ein bisschen.


Immer wieder werde ich gefragt,  ob ich mich hin und wieder einsam fühle.

Einsamkeit? Es gab eine Zeit, in der etwas aufgetreten ist, was die Leute eventuell mit dem Wort Einsamkeit beschrieben hätten. In den ersten Tagen musste ich mich daran gewöhnen, auch mal nur für mich zu sein. Nach kurzer Zeit dämmerte mir allerdings, dass sich so die Freiheit anfühlt,  tun und lassen zu können, was ich will. Ich bin ja schließlich nicht auf einer einsamen Insel gestrandet, sondern an teilweise ebenso leeren Stränden, wenn ich das will ( Finden müsst ihr die allerdings selber) und wenn nicht, bin ich umgeben von einer durchaus kontaktfreudigen Gemeinschaft aus Reisenden. Zu Fuß, mit dem Quad, einem Fahrrad, überdimensionalen und kleinen “Wohnmobilen” oder einem Motorrad.
Außerdem von unheimlich freundlichen Einheimischen.
Das eine oder andere Wort der Landessprache, gepaart mit einem freundlichen Lächeln wirken Wunder.
Einsamkeit?
So wie alleine hinter einen Schreibtisch gefesselt?
Ne! Gibt’s hier nicht.

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Im März kommt der langersehnte Frühling,  der die Natur in ein sehr gutes Licht stellt. Alles wächst und gedeiht.
Seit drei Wochen habe ich keinen Tag verbracht ohne mindestens einmal am Tag surfen gewesen zu sein. Die Tage werden länger und ich schaffe an guten Tagen drei Sessions.
Heute ist der erste Tag,  an dem ich wohl nicht ins Wasser komme. Ich habe lästigen Bürokratiekram zu erledigen,  der noch nie auf irgendeine Kuhhaut ging. Was muss, dass muss. Aber ohne Drucker, Scanner und Computer wird so einiges schnell zur Tortur. Dann der angenehme, zweite Teil des Tages.

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Grundstückssuche. Für  allgemeine Tipps und konkrete Hinweise bin ich übrigens sehr dankbar.
Habe ich gesagt dass ich vorerst bleibe?
Einen interessanten Beruf habe ich in der Tasche. Jetzt bin ich auf der Suche nach einem Grundstück im Süden. Es gibt viele Pläne. Sagen wir besser Ideen. Was aber sicher ist, ist, dass mein Abenteuer Portugal so schnell noch nicht beendet ist. Mein Leben ist schön. Das muss man ja schließlich auch erstmal hinbekommen.


Bis dahin, euer Tim!

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